Was regt Sie auf? Was freut Sie richtig?:

Mir reicht´s … Es regt mich über die Maßen auf, dass die Märchenhütten im Monbijoupark von der Schließung bedroht sind. Ich bin stolze Frau eines Schauspielers aus dem Ensemble des Monbijoutheaters und war so glücklich und froh als er im Frühjahr 2018 ein Engagement in diesem wunderschönen Theater bekam. Als Schauspieler hat man es in Berlin oder allgemein eh nicht leicht. Entweder rettet man sich mit Gastverträgen von Inszenierung zu Inszenierung und ist deutschlandweit an unterschiedlichen Theatern tätig oder man ist im Festvertrag an einer Bühne, deren Aufführungen mehr für die Kritiker als für das Publikum gemacht werden. Oder man steckt in einem Haus fest, deren Theaterleitung keine Ahnung von Theater hat. Ich kenne alle Szenarien. Anders im Monbijoutheater. Christian Schulz lebt und liebt Theater und schätzt sein Publikum. Und das merkt man auch. Die Märchenhütten sind ein wundervolles kulturelles Kleinod in Berlin, das aus eigener Kraft und ohne Subventionen in der Mitte Berlin Jung und Alt in den Bann zieht. ABER: Warum müssen politische Ränkespiele so einen Ort kaputt machen? Christian Schulz hatte vor über 20 Jahren den Mut auf dieser Brachfläche ein Theater aufzubauen. Er hat es ausgebaut, weiterentwickelt und mit viel Engagement und Liebe für´s Detail zu einem Ort des Staunens und Verweilens gemacht. Diese unvergleichliche Atmosphäre rund um das Theater ist einfach atemberaubend. Wie Urlaub mitten in der Stadt. Aber das kommt nicht von ungefähr. Im Sommer mit einem hölzernen Amphitheater, mit Strandbar, Palmen, glücklichen Menschen. Im Winter bei Glühwein in altertümlichen Hütten wird man in die Kindheit zurückversetzt und hört Märchen. Die Vorstellungen sind fast immer ausverkauft, weil er die Menschen erreicht. Es ist Volkstheater, von Menschen für Menschen. Viel zu oft geht es heutzutage um publicity, um Provokation, um geköpfte Hühner oder entblößte Obszönitäten. Aber nicht hier im Monbijoutheater. Die Schauspieler haben Spaß, weil die Zuschauer Spaß haben. Es ist ein Geben und Nehmen. Die Märchenhütten sind nur ein Teil des Ganzen, aber leider auch das Letzte was von dem großartigen Projekt im Monbijoupark übrig geblieben ist. Es bricht mir das Herz, mit anzusehen, wie ein weiteres Stück Kultur in Berlin vernichtet wird. Warum können Politiker diesen Traum zerstören? Vom Volk gewählte Menschen spielen ihre Macht aus, obwohl Tausende Bürger, Besucher und Touristen diesen Ort so lieben? Ganz zu Schweigen von den vielen Mitarbeitern, die Ihre Arbeit verloren haben oder verlieren werden. Kurze Frage: Wer ist eigentlich Ephraim Gothe? Ephraim ist stellvertretender Bürgermeister von Berlin Mitte. Er ist ein Politiker. Er ist der Baustadtrat. Er ist gewählt worden. Als Volksvertreter. Klingt komisch, ist aber so. Er möchte, dass alles anders wird. Über 11.000 Berliner haben eine Petition zur Rettung des Original Monbijoutheaters unterschrieben. Weltweit waren es sogar noch deutlich mehr Befürworter. Aber Ephraim interessiert das nicht. Er sagt einfach Nein! Und Basta! Die Humboldt- Universität hingegen, ihr gehört das Grundstück und sie verpachtet es jedes Jahr aufs Neue, hat nichts dagegen, dass dort Theater gespielt wird. Aber Ephraim mag den Christian nicht und deshalb soll jetzt Schluss sein. Klingt komisch, ist aber so. Ephraim ist stattdessen Fan vom „Theater an der Museumsinsel“. Die Betreiber haben ihn, von langer Hand geplant, um den Finger gewickelt. Und nicht nur ihn, auch den ein oder anderen Politiker aus der Bezirksverordnetenversammlung haben sie für sich gewinnen können. Im Gegenzug gab es für die eine oder andere Politikertochter (oder auch beide) eine Anstellung im neuen Theater. Klingt komisch, ist aber so. Man könnte fast meinen, die Politik sei bestechlich, aber wir wollen mal nicht unken. Ephraim möchte die Märchenhütten abreißen lassen. Bergründung: Es sind keine fliegenden Bauten. Der TÜV sagt da zwar etwas anderes, aber wenn der Ephraim nicht will, dann ist das eben so. Stattdessen steht jetzt da ein Oktoberfestzelt mit dem Charme eines Kühlschranks. Das gefällt dem Ephraim. Klingt komisch, ist aber so. … So oder ähnlich würde die Sendung mit der Maus diese groteske Farce wahrscheinlich erklären! Ich bin so wütend! Immer wieder waren Gerüchte in den Medien, dass Christian Schulz ein schlechter Arbeitgeber wäre, nur in die eigene Tasche wirtschaftet, sich sogar ein Schloss gekauft hat. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Nennen sie mir einen Geschäftsführer, dessen Mitarbeiter zu 100% zufrieden sind. Es gibt immer einen, dem man auf den Schlips tritt. Und seien wir doch mal ehrlich, welcher Geschäftsführer möchte bei seinen Geschäften nichts verdienen? Es ist doch sein gutes Recht. Obwohl Herr Schulz weder im Porsche noch in Armani daherkommt. Er ist ein bodenständiger Mensch, der ein Gefühl dafür hat, was das Publikum möchte. Und das kriegen sie auch. Und das Schloss war nicht sein Wohnsitz, sondern ein weiterer kultureller Beitrag für das Umland Berlins. In Schwante hat er einen Ort erschaffen, wo Theater und Kultur zusammenkommen und die Bevölkerung hat es dankend angenommen. Das Schloss war eine Begegnungsstätte und ein Ort zum Abschalten vom Großstadtchaos. Aber nicht für ihn, sondern für alle. Aber das ist nun auch Geschichte. Jetzt ist es in privaten Händen und dem gemeinen Volk nur zu erlesenen Anlässen frei zugänglich. Das letzte Jahr war so eine große Enttäuschung für mich. Ich hätte einfach nicht gedacht, dass es soweit kommen würde. Christian Schulz wurde alles genommen. Das Monbijoutheater war sein Baby. Aus reinem Neid und Missgunst haben sich vermeintliche Freunde von ihm abgewandt und hinter seinem Rücken über Monate Gerüchte gestreut, die Politik instrumentalisiert, ihn in der Presse zum Buhmann der Nation gemacht. Ohne Rücksicht auf Verluste. Man könnte fast von Rufmord sprechen. Was er geschaffen hat ist nun futsch. Gestern Vormittag kam als erste Meldung in den Nachrichten des Berliner Rundfunks, dass unser Baustadtrat Ephraim Gothe angeordnet hat, dass in den nächsten Tagen die Märchenhütten abgerissen werden müssen. Ja, es gibt einen Bebauungsplan. Und ja, der Monbijoupark ist eine Grünfläche. Aber warum kann 20jähriges Dulden auf einmal nichts mehr bedeuten, zumal das Theater so erfolgreich betrieben und vom Volk angenommen wird. Es wird weder subventioniert, noch stört es das Stadtbild. Ganz im Gegenteil es ist ein Zugewinn für den Tourismus, die Kultur und den Arbeitsmarkt. Die Premiere der „Märchenscheune“, dem Winterspielort des Theaters an der Museumsinsel wurde „aus gegebenem Anlass“ vom 29.11.2019 auf den 13.12.2019 verschoben. Welcher Anlass war denn der Ausschlaggebende? Die persönliche Zusage von Herrn Gothe, dass die Märchenhütten keine Genehmigung zum Spielbetrieb bekommen werden oder die Überraschung, dass die Märchenhütten trotzdem erfolgreich in die Saison gestartet sind? Innerhalb von 2 Tagen waren dort 10.000 Karten verkauft. Weil die Leute wissen, was sie bekommen. Nämlich kurzweilige Märchen neu interpretiert, in einer charmanten urigen Holzhütte. Die Märchenscheunen- Betreiber hatten scheinbar Informationen und Absprachen mit den Mächtigen auf oberster Ebene, wohingegen Christian Schulz vergeblich das Gespräch mit Herrn Gothe sucht. Die Humboldt – Universität hatte beiden Theatern zugesagt, aber der Senat und die BVV nur den „Neuen“. Warum? Geht es hier wirklich nur um die „fliegenden Bauten“? Wohl kaum!!! Ich habe eigentlich wenig Hoffnung, das meine Worte überhaupt Gehör finden, aber ich bin so verzweifelt und fühle mich so machtlos, dass ich den letzten Strohhalm greife, greifen muss. Ich muss einfach alles menschenmögliche tun, um auf ein Wunder hoffen zu können. Trotz aller Tiefschläge hoffnungsvolle Grüße, MJ